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Ziegler, Albert: Hochbegabung. Wer, angeregt durch den Titel, Informationen speziell zur Hochbegabung erwartet, wird gleich zu Beginn eines Besseren belehrt. Der Autor beginnt sein Buch mit dem Satz "herausragende Leistungen haben von jeher eine Faszination ausgeübt". Und genau darum geht es in dem UTB-Bändchen, es geht um Leistung, genauer: um "Leistungsexzellenz". Der Autor definiert: ein Hochbegabter ist eine Person, die - aufgrund von Expertenurteilen - wahrscheinlich einmal Leistungsexzellenz erreichen wird. Leistungsexzellenz in einer bestimmten "Leistungsdomäne". Das kann Mathematik sein, oder Handball oder Schach oder was auch immer. Hochbegabung; Begabung oder auch Talent werden synonym verwendet. Zum Verhältnis von (Hoch-)Begabung, Intelligenz und Hochleistung: Sehr kritisch steht der Autor zu Intelligenztests bzw. zu dem IQ. Die einschlägigen Forschungsstudien belegten, dass die Gleichsetzung von Hochbegabung mit einer hohen gemessenen Intelligenz jeglicher empirischen Grundlage entbehrt. Wissenschaftlich belegt dagegen sei, dass überdurchschnittliche Leistungen ein besserer Hinweis auf Hochbegabung sind als der IQ (nicht weiter verwunderlich, bei der Definition von Hochbegabung!). Der Autor bedauert, dass bis heute einige Forscher den "Facettenreichtum des menschlichen Geistes auf einen einzigen Zahlenwert" (S. 24) reduzieren. Bei aller berechtigten Kritik an IQ und Intelligenztests: Schade, dass sich der Autor zu dieser ebenso polemischen wie unrichtigen Äußerung hinreißen lässt. Intelligenzdiagnostik scheint nicht die Leistungsdomäne des Autors zu sein. Kap. 3 beleuchtet die Entwicklung zur Leistungsexzellenz, u.z. anhand von Personen, die - wie z.B. Nobelpreisträger oder Olympiasieger - bereits herausragende Leistungen erbracht haben. Die Expertiseforschung belegt, dass ein herausragendes Leistungsniveau auf einem bestimmten Gebiet das Ergebnis eines langwierigen und mühsamen Lernprozesses ist. Ei der Daus, dieses "Inspiration + Transpiration"-Ergebnis hätte auch unsere Großmutter schon vorhergesagt! Kap. 4 beschreibt Hochbegabungsmodelle. Definitionsgemäß geht es dabei um Modelle, die das Erreichen von Leistungsexzellenz voraussagen bzw. plausibel erklären können. Gute Prognosen sind zwar mit "Deliberate Practice" zu erzielen, auf deutsch: mit hoch organisiertem, hoch konzentriertem, auf die Verbesserung der eigenen Leistung ausgerichtetem Üben. Dieser Ursachenfaktor alleine reicht natürlich nicht aus. Zu Recht fordert der Autor Modelle, die der Multikausalität von Spitzenleistungen Rechnung tragen. Der Autor beschreibt zwar das Modell der triadischen Interdependenz (nach Mönks) und auch das Münchner Hochbegabungsmodell (nach Heller), vor allem aber sein eigenes systemtheoretisch verortetes Aktiotop-Modell. In dessen Mittelpunkt steht das individuelle Handlungsrepertoire in einer bestimmten Leistungsdomäne, das allmählich und kontinuierlich über viele Jahre in Richtung größere Effektivität (= Leistungsexzellenz) erweitert wird/werden muss. Hier können nicht nur Eltern und Pädagogen sehr viel lernen:
Kapitel 6 "Förderung" hat mir mit Abstand am besten gefallen. Der Autor, Professor für Pädagogische Psychologie, beschreibt und bewertet prägnant all die vielfältigen Möglichkeiten, die Erziehung bzw. Schule hat, um ihrem Anspruch/Auftrag nach individueller Förderung (nicht nur, aber auch von Hochbegabten) gerecht zu werden. Nach dem Motto "Genies werden gemacht, nicht geboren". Das fängt bei isolierten traditionellen Platzierungsstrategien an, wie beispielsweise das Überspringen einer Klasse. Vielversprechend sind Kombinationen mehrerer Fördermaßnahmen, wie beispielsweise der "akademisch-fokussierte kreativ-produktive Lernpfad" (nach Callahan und Miller) für einen bestimmten hochbegabten Schülertyp. Bis hin zum Individualunterricht, der bei uns leider immer noch nur als Nachhilfeunterricht nach Versagen üblich ist. Der Leser erhält klar, knapp und konkret "einen umfassenden und praxisrelevanten Forschungsüberblick", allerdings weniger über das Phänomen Hochbegabung, als über Wege zu Spitzenleistungen. Buchbesprechung von Hagen Seibt (www.beratrain.de), Leiter des Arbeitskreises Hochbegabte im BDP (www.die-hochbegabung.de) |
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Mit intelligenten Kindern intelligent umgehen - ein Ratgeber von Dr. Christa Rüssmann-Stöhr & Hagen Seibt. Der Titel dieses Ratgebers verspricht nicht zuviel. Das erfährt der Leser/die Leserin schon auf den ersten Seiten. Ein Ratgeber zweier erfahrener Psychologen, ohne zu viele wissenschaftliche Ausführungen aber gerade genug, um Hintergründe verstehen zu können. Die vielen nützlichen praktischen Tipps sind in einer attraktiven, gut überschaubaren Form dargeboten. Eine Augenweide die Aufmachung: viele optische Marken am Rande lockern nicht nur auf, sie erleichtern auch Zuordnungen. Die beiden Autoren bieten in diesem Ratgeber ihre jahrelange praktische Erfahrung im Umgang mit intelligenten Kindern einem breiten Leserkreis an: Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen. Sie sprechen dabei viele Probleme an, von Mobbing, Depression, bis zu Themen wie Disziplin und Ordnung, Motivation, Lernen, AD(H)S, Asynchronie oder Probleme in der Schule. Jeder wird seinen Nutzen aus diesem Ratgeber ziehen, denn die beiden Autoren zeigen auf, was oder welche kindlichen Signale zum Beispiel hinter Motivationsmangel, Undiszipliniertheit oder mangelndem Ordnungssinn stecken können. Mit viel Phantasie werden Strategien für das Behandeln aller möglichen Fälle angeboten. Besonders gut ist den beiden Autoren nach unserer Meinung die Darstellung des Begabungsmanagements gelungen, das in einem 3 x 3 Felderquadrat systematisch behandelt wird. Die Differenzierung der Bereiche WO? (Schule, Freizeit, Familie) und WAS? (Arbeitshaltung, Sozialverhalten, Emotionalität) ergibt neun Themenschwerpunkte, die in den Kapiteln 22 bis 30 behandelt werden. Also beispielsweise Arbeitshaltung in der Schule, in der Freizeit oder in der Familie oder Emotionalität in der Schule usw. Sehr originell finden wir unter dem Kapitel 22 "Arbeitshaltung in der Schule" die Idee des PC-gestützten Unterrichtsprotokolls. In ein stundenplanähnliches Formblatt für jeden Tag der Woche soll sich der Schüler bzw. die Schülerin in der Schule für jede Schulstunde den Unterrichtsinhalt in Stichworten notieren. Zu Hause müssen dann diese Stichworte ordentlich ausformuliert so in den PC übertragen werden, dass die Eltern den Unterrichtsinhalt verstehen. Diese Formulierung kann auch an eine besondere Person per e-mail geschickt werden, in diesem Fall an Herrn Seibt. Dazu gibt es weitere Ideen, die ausführlich beschrieben und begründet werden und die sich in der Praxis leicht umsetzen lassen. Nicht nur Eltern erhalten sehr viele hilfreiche Anregungen für den Umgang mit ihren intelligenten Kindern, auch LehrerInnen und ErzieherInnen profitieren für ihre Arbeit von diesem aus unserer Sicht sehr empfehlenswerten Ratgeber. ISBN 3-00-015233-4, Selbstverlag Bochum, Neueste Auflage 10/2008,
155 Seiten, 17,50 € incl. Versand (innerhalb EU) Rezension von Dr. phil. Ida Fleiß & Dr. phil., Dr. paed. Gert Mittring |
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Preckel & Brüll: INTELLIGENZTESTS, Reinhardt-Verlag, München, 2008, 98 Seiten, € 9,90, SFr 18,90 ISBN 978-3-8252-3027-2, Eine wunderbar verständliche Darstellung der momentan wichtigen Intelligenztheorien. Sie werden teilweise aus historischer Sicht, aber auch mit ihren Begrenzungen sowie Vor- und Nachteilen beschrieben. Die Darstellungen sind alle sehr knapp, aber es folgen immer sehr gute Literaturangaben, direkt am Ende der Kapitel. Ausgesprochen praktisch sind die "Merksätze", die gut hervorgehoben im Text auch eiligen Lesern die Quintessenz vermitteln. Glossar und Sachregister helfen auch. Deutlich machen die Autoren, dass die "Intelligenz" nicht gibt. Sie zeigen aber auch, dass es dennoch möglich ist - je nach dahinter liegender Theorie - Messwerte über Intelligenz zu erhalten. Im ersten Kapitel werden folgende Theorien dargestellt:
Weiterhin gehen die Autoren auf oft diskutierte Themen im Zusammenhang mit Intelligenz ein: Anlage - Umwelt, Intelligenz im Lebenslauf, Stabilität, strukturelle Veränderungen sowie Geschlechterunterschiede. Das zweite Kapitel ist ein Kurzlehrgang in Testtheorie und Testkonstruktion. Hier tauchen natürlich einige komplexe Formeln auf. Der Leser soll wahrscheinlich nur zur Kenntnis nehmen, dass für einen guten Test auch sehr umfangreiche und exakte Berechnungen notwendig sind. Einen Überblick über die Konstruktion der gängigen Testverfahren findet man in Kapitel drei. Übersichtlich dargestellt sind die Testklassifikationen und die wesentlichen Qualitätskriterien. Sehr anschaulich wird es dann in Kapitel vier. Hier werden die gängigen Verfahren dargestellt und hinsichtlich ihrer Aussagefähigkeit verglichen. Dargestellt werden: HAWIK-III und HAWIK-IV, Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE), HAWIVA-III, AID 2 und die Kaufmann-Tests. Als Grundintelligenztests werden beschrieben: CFT-20 R und Raven. Als Strukturtests werden der IST 2000 R sowie der Berliner Intelligenz-Struktur-Test dargestellt. Im fünften Kapitel wird ein konkreter Diagnosefall besprochen. Hochinteressant ist die Diskussion scheinbar widersprüchlicher Ergebnisse aus zwei verschiedenen Testergebnissen. Hier wird auch deutlich, wofür diese Büchlein hervorragend geeignet ist: nämlich einen Beitrag zum Thema Diagnose von Hochbegabung zu liefern. Hoffentlich lesen viele Lehrer und Erzieher dieses Buch, um zu einem differenzierten Bild vom "IQ" zu kommen. Hagen Seibt, Leiter des Arbeitskreises Hochbegabte/Potenziale im BDP |
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Wais, Mathias: Hilfe - ich bin hochbegabt! Mit schlauen Füchsen unterwegs. Stuttgart: Johannes M. Mayer, 2008. ISBN 978-3-86783-004-1, 166 S. Dieses "Erzählkummerkastenratgebererfahrungsaustauschundschreibmitbuch" (S. 13) verfolgt einen erfrischend anderen Ansatz in der zahlreichen Literatur zum Thema Hochbegabung: Fünf "schlaue Füchse", wie sich die hochbegabten Grundschulkinder selbst nennen, haben sich zusammengesetzt, um aus ihrem Alltagsleben zu berichten. Wozu? Zum einen hilft das Aufschreiben, um im eigenen Kopf Ordnung zu schaffen. Vor allem aber wollen die Autoren anderen schlauen Füchsen helfen. Sie wollen ihnen zeigen, dass sie nicht mutterseelenalleine auf einem falschen Stern gelandet sind, sondern dass sie mit ihren Erlebnissen, ihren Sorgen, ihren Fragen verstanden werden. Dazu gehört auch der eine oder andere Tipp, wie man als hochbegabtes Kind mit dem eigenen Frust und den eigenen Nöten besser umgehen kann. Was berichten die hochbegabten Kinder aus ihrem Alltag? Es geht natürlich um Schule, z.B. um die Lehrerin Frau Spielberg, die den sich langweilenden Hochbegabten deshalb keine schwereren Extraaufgaben gibt, weil aus ihrer Sicht auch die hochbegabten Kinder erst mal die normalen Übungen und Hausaufgaben zu machen hätten. An den nervigen Wiederholungen verzweifeln unsere kindlichen Autoren: Wenn Sie, liebe Lehrerin, gerne in den Bergen wandern, macht es da Sinn, erst mal immer wieder den gleichen Weg abzulaufen, bevor Sie einen neuen, vielleicht schwierigeren Pfad ausprobieren? Es geht selbstverständlich um die Eltern und die Familie. Z.B. erzählt die Mama nach der Diagnose "hochbegabt" jedem, der es hören will oder nicht, stolz von ihrem Super-Sprössling. Wie peinlich! Mama erwartet ab jetzt nur noch Supernoten, dabei bin ich doch nicht blöd und schreibe Einsen, nur damit meine Eltern zufrieden sind und noch mehr von mir fordern! Und wenn dann statt der quasi vorprogrammierten Einsen der Mathe-Lehrer nur eine "verbeulte Vier" gibt, kann es - in den Augen der Mutter - nur an dessen pädagogischer Inkompetenz liegen. Ergebnis: Nicht die Einsen sind vorprogrammiert, sondern der Konflikt zwischen Elternhaus und Schule droht zu eskalieren. In weiteren Geschichten geht es natürlich auch um das Verhalten der Klassenkameraden und um Freundschaft. Nicht nur die konkreten Geschichten, auch die berichteten Fragen, Gedanken, Wünsche, Ängste und Träume zeugen eindrucksvoll von der Erlebniswelt der Hochbegabten. Von der Sehnsucht, einfach nur normal sein zu wollen, eine Sehnsucht, die auch Jolus, den purzelbaumschlagenden Kakadu umtreibt. Von der Unmöglichkeit, Ungerechtigkeit oder eigene Fehler zu akzeptieren. Von der eigenen Ungeduld, die von allen Beteiligten nur sehr schwer zu ertragen ist (hier hat der Indianerhäuptling Qualmende Sandale einen Tipp für die vielen schlauen Füchse auf der Welt). Besonders spannend und geradezu amüsant wird es, wenn die kleinen schlauen Füchse ihre Überlebensstrategien verraten. Der Leser erfährt, wie man die Langeweile in der Schulstunde still für sich bekämpfen kann ohne Aufzufallen oder wie man eine Eins bekommt, obwohl man das Thema eigentlich verfehlt hat oder wie man die Eltern zu diversen Zugeständnissen überlistet oder ... Bitte selber lesen! Nicht nur hochbegabte Kinder, auch "Normalos" wie Eltern, Erzieher und Lehrer werden nach der Lektüre erheblich schlauer sein als vorher. Dipl.-Psych. Hagen Seibt [Leiter des Arbeitskreises "Hochbegabte/Potenziale" im Berufsverband Deutscher Psychologen e.V.; Mitautor des Ratgebers "Mit intelligenten Kindern intelligent umgehen"] |
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Alvarez, Christiane: Hochbegabung: Tipps für den Umgang mit fast normalen Kindern. München: dtv, 2007. ISBN 978-3-423-34404-3. 190 S., € 9,50. Das Taschenbuch besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil stellt die Autorin auf 82 Seiten Ihr Verständnis von Hochbegabung dar.
Für die Autorin, die viele Jahre beim Hochbegabungsspezialisten Rost in Marburg sowohl im Forschungsprojekt als auch der Beratungsstelle gearbeitet hat, ist das Konzept Hochbegabung klar: Der zweite Teil, die nächsten 50 Seiten, bestehen aus praktischen Tipps für den Umgang mit hochbegabten Kindern und Jugendlichen. Bei den allgemeinen Fördermöglichkeiten in Elternhaus und Schule werden auch Lehrer fündig. Nur einige Stichworte: problematische Hilfslehrerrolle für den hochbegabten Schüler, Verweigerung von gut gemeinten Zusatzaufgaben, Klasse überspringen ist kein Allheilmittel, Waldorfschule weniger geeignet. Besonders hilfreich für betroffene Eltern sind die 12 ganz konkreten Problemsituationen, die aufgegriffen, z.T. grundsätzlich diskutiert und mit weiterführender Literatur versehen werden. Es sind diejenigen, die in der Beratungsstelle sehr häufig aufgetaucht sind. Letztendlich laufen alle Tipps völlig undramatisch auf den elterlichen Erziehungsstil mit entsprechender Grundhaltung hinaus. Denn hier ist die Autorin erfreulich eindeutig: "Für die optimale Entwicklung eines Kindes spielt die Familie eine entscheidende Rolle... Auch ein hochbegabtes Kind braucht entsprechende Unterstützung" (S. 64). Wenn die Eltern wachsam sind und offen für kindliche Sorgen, wenn sie sich Zeit nehmen, wenn sie gezielt fragen und zuhören, wenn sie zwar Hilfe anbieten, aber das Kind alleine probieren lassen, wenn sie Regeln setzen und konsequent sind, wenn sie Vertrauen in ihr Kind haben und dies auch zeigen, wenn sie leichtere Teilziele setzen und auch das Bemühen loben, wenn sie dem Kind selbst die Verantwortung übertragen, wenn sie den Kontakt zur Schule und mit ihr zusammen nach Lösungen suchen, dann, ja (nur) dann wird aus dem Hochbegabten ein "ganz normaler Mensch, eben nur etwas intelligenter" (S. 8). Und auf den letzten 35 (!) Seiten folgen sehr ausführliche, breit gefächerte, z.T. kommentierte Literaturangaben sowie ein umfangreiches Adressenverzeichnis, das Anlaufstellen, vertiefende Informationsmöglichkeiten, Überblicke über Aktivitäten enthält. Fazit: Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche, weil es die Zielgruppe, nämlich "Eltern, Pädagogen, Psychologen, Lehrkräfte und Erzieher" umfassend über Hochbegabung informiert bzw. auf Informationsquellen verweist. Hagen Seibt [Leiter des Arbeitskreises "Hochbegabte/Potenziale" im Berufsverband Deutscher Psychologen e..; Mitautor des Ratgebers "Mit intelligenten Kindern intelligent umgehen"] Rohrmann, Sabine & Tim Rohrmann: Hochbegabte Kinder und Jugendliche. Diagnostik - Förderung - Beratung. München: Ernst Reinhardt; 2005; ISBN 3-497-01786-8; 242 S. Die Absicht des Autorenehepaares, das Thema Hochbegabung zu "entdramatisieren" ist löblich angesichts des Booms, den das Thema inzwischen ausgelöst hat. Die Autoren wollen darüber hinaus - so schreiben sie im Vorwort - "neue Perspektiven für den Umgang mit Vielfalt und Unterschiedlichkeit zu entwickeln" sowie das Thema "in den grösseren Kontext der Bildungsdiskussion zu stellen". Tenor: Nicht jedes auffällige kindliche Verhalten hat etwas mit Hochbegabung zu tun, auch wenn es den Eltern noch so sehr gefallen würde. Manchmal ist es schlicht ein Erziehungsmanko seitens der Eltern, die ihrem Kind gegenüber nicht konsequent genug auftreten, vor allem dann, wenn der kleine Liebling seine Interessen eloquent und nachdrücklich zu artikulieren weiss. Und: Eine hohe Begabung ist kein Freifahrtschein für Faulheit. Jeder Schüler, auch der besonders begabte, ist für seine Leistung selbst verantwortlich. Am besten hat mir das Kapitel über die Förderung gefallen. Die Autoren vertreten eine integrative Begabtenförderung, also eine individualisierte Förderung der besonders Begabten innerhalb der bestehenden Systeme von Kita, Schule, Uni. Dies verlangt aber letztlich nicht nur eine grundsätzliche Neuorientierung der vorhandenen Bildungseinrichtungen, sondern vor allem ein anderes Rollenverständnis der Erzieher und Pädagogen, weg vom Besserwisser, hin zur Lernbegleiterin. Eine traumhafte Zukunftsvision, die hoffentlich Realisierungschancen hat, irgendwann. Eltern werden nicht allzu fündig werden, wenn sie über allgemeine Informationen hinaus konkrete Hilfen für den Erziehungsalltag suchen. Dagegen erhalten Pädagogen einen bunten Strauss von Möglichkeiten, wie sie ihren Unterricht nicht nur für Hochbegabte, sondern für alle Schüler motivierender und effektiver gestalten können. Ich wünsche dem Buch viele pädagogisch tätige Leser! Buchbesprechung von Hagen Seibt, Leiter des Arbeitskreises Hochbegabte/Potenziale im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) e.V. |
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Stapf, Aiga: Hochbegabte Kinder. Persönlichkeit Entwicklung Förderung. München: C.H.Beck, 2003 (ISBN 3 406 50252 0; 272 S.) Das Fazit vorweg: uneingeschränkt empfehlenswert für diagnostisch und beratend tätige Personen, die sich von Berufs wegen einen umfassenden Überblick über das Thema Hochbegabung verschaffen wollen/müssen. Ebenso uneingeschränkt empfehlenswert für erfahrene Kollegen, die sich auf den neuesten Kenntnisstand bringen wollen. Für diagnostische Laien, beispielsweise für Hilfe suchende Eltern, werden Stapfs Ausführungen teilweise schwer nachvollziehbar sein. Grundkenntnisse in Diagnostik/Testverfahren erleichtern das Verständnis. Aber dies gilt wirklich nur teilweise, denn die ausgewiesene Fachfrau auf dem Gebiet schreibt nicht nur kompetent, sondern anschaulich, gut lesbar. Wie schon der Titel andeutet, wird Hochbegabung sehr breit erläutert, wirklich umfassend beschrieben. Stapf fängt an bei der Hochbegabungsdefinition und ist damit bei historischen und aktuellen Intelligenztheorien. Stapf beendet durch ihr Konzept der Passung nicht nur die Uralt-Kontroverse Anlage Umwelt, sondern liefert eine passende Richtschnur für Erziehung. Hochbegabte sind nicht krank und therapiebedürftig, sie sind nicht eine homogene, politisch-ideologisch brisante Aussenseitergruppe, sondern sie sind schlicht in der einen oder anderen Beziehung anders. Auf dieses Anderssein ist mit passenden Unterstützungs- und Fördermassnahmen zu reagieren. That´s all. Anhand zahlreicher Untersuchungen wird die Persönlichkeit Hochbegabter beschrieben. Die Frage, wie hochbegabte Kinder sich entwickeln, wird ebenso beantwortet, wie die Frage nach Geschlechtsunterschieden. Ein breiter Raum nimmt die Diagnostik ein: Wie stellt man Höchst-, Hoch-, überduchschnittliche Begabung in welchem Alter sinnvollerweise fest? Übliche Testverfahren werden detailliert bewertet. Stapf räumt mit zahlreichen Vorurteilen auf, indem sie sie sachlich-fachlich widerlegt. Hochbegabten fliegt eben nicht alles einfach so zu. Hochbegabte sind in einem Waldorf-Kindergarten in der Regel nicht gut aufgehoben. Mit einer vorzeitigen Einschulung raubt man diesen Kindern nicht die unbeschwerte Spielkindheit. Die vier Lebensbereiche der Kinder werden nach fördernden und hemmenden Faktoren abgeklopft: Hochbegabte in der Familie (mit und ohne Geschwistern), Hochbegabte im Kindergarten, Hochbegabte in der Schule, Hochbegabte in ihrem Freundeskreis von Gleichaltrigen. Nein: nicht gleichaltrig, sondern gleichartig sollten die peers sein. Ich wünsche dem Buch viele Leser. Psychologen, Ärzte, Kindergärtner, Lehrer, ... alle werden fündig. Eltern werden auch die zahlreichen Adressen, die unterstützen und weiterhelfen können, schätzen. Und auch Diplomanden werden Recherchezeit sparen durch das höchst ausführliche Literaturverzeichnis. Buchbesprechung von: Hagen Seibt, www.beratrain.de |
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Schilling, Susanne R.: Hochbegabte Jugendliche und ihre Peers. Wer allzu klug ist, findet keine Freunde? Münster: Waxmann Verlag, 2002; ISBN 3-8309-1074-6; 261 S Das Buch ist als Band 33 in der von Rost herausgegebenen Reihe Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie erschienen. Damit weiss der Leser schon viel über Ziel und Inhalt des Buches: Zum einen ist es Ziel der Buchreihe, auf wichtige Forschungsarbeiten aufmerksam zu machen. Die Autorin beschreibt ihre Dissertationsarbeiten. Über den Doktorvater muss man nicht lange spekulieren. Prof. Rost steht für das Marburger Hochbegabtenprojekt und die Begabungsdiagnostische Beratungsstelle BRAIN. Grundsätzlich ist jegliche Forschung auf dem Gebiet der Hochbegabung sehr zu begrüssen. Um dem lange Jahre vernachlässigten Bereich der besonders Begabten Raum und Anerkennung zu verschaffen, um Alltagsmeinungen und Vorurteile zu überprüfen, um dann letztlich die praktische beratende Arbeit mit den Betroffenen auf solide, wissenschaftlich abgesicherte Füsse zu stellen. Um es vorweg zu nehmen: Alle die, die praktische Tipps suchen, sind mit dem Buch weniger gut bedient. Jedoch für Kollegen, die auf dem Gebiet forschen bzw. sich intensiv mit Untersuchungen zur Hochbegabtenforschung auseinandersetzen wollen, ist es ein Muss. Wer kurz und fundiert eine Übersicht über Theorien und empirische Befunde zu Hochbegabung lesen möchte, wird fündig und qualifiziert informiert. Eine Selbstverständlichkeit ist bei Dissertationen ein ausführliches Literaturverzeichnis, das erspart dem Interessierten Recherchen. Schilling untersucht keine Kinder, sondern Jugendliche im Alter von 15 Jahren, die mehrheitlich die Klasse 9 besuchen. Zu dieser Altersgruppe liegen noch weniger empirisch abgesicherte Ergebnisse vor als für Kinder. Die erste konkrete Fragestellung der dem Buch zugrundeliegenden Untersuchungen lautet: Unterscheiden sich hochbegabte Jugendliche von durchschnittlichen begabten in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen? Hierzu sind viele Überzeugungen im Umlauf, die von "kein Unterschied im Sozialkontakt" über "Hochbegabte sind ungeschickte vergeistigte Jünglinge mit Interesse für Sokrates" "Hochbegabte sind isolierte Aussenseiter" reichen. Der Grad der Begabung wird durch die Kombination von 4 Tests ermittelt. Für die Variable "Peer-Beziehung" zieht Schilling ganz unterschiedliche Quellen heran. Jugendliche werden Testverfahren unterzogen und geben selbst Auskunft, beispielsweise ob sie in der Schule ein Amt haben, ob sie einen guten Freund haben, wieviel Zeit sie mit Freunden verbringen, ob sie sich als anders empfinden, ob sie Mitglied in Vereinen sind. Die zweite Datenquelle sind die Eltern, die nach Sozialkontakten ihrer Kinder befragt werden. Und die dritte Datenquelle sind die Lehrer, die aus ihrer Sicht die Integration der Jugendlichen in der Klasse und deren Beziehung zu Mitschülern beurteilen. Die zweite Fragestellung der Untersuchung bezieht sich analog auf die (Schul)Leistung: Gelten die Beziehungsmuster, die für den Vergleich Hochbegabte - durchschnittlich Begabte zu finden sind, auch für den Vergleich zwischen hervorragenden Schülern und durchschnittlich leistenden Mitschülern? Schilling beschreibt ihre Befunde sehr ausführlich, untermauert sie mit zahlreichen Tabellen und Zeichnungen, fasst zum Ende eines (Unter)Kapitels zusammen für den schnellen Überblick. Was kommt heraus? Insgesamt keine bedeutsamen praktisch relevanten Unterschiede weder bei der ersten noch bei der zweiten Fragestellung, bis auf ein konsistentes Beziehungsmuster. Hochbegabte verbringen etwas weniger Zeit mit Freunden; sie scheinen vorsichtiger beim Eingehen enger freundschaftlicher Beziehungen zu sein. Schillings Schlusssatz: Die Beziehung zu Gleichaltrigen gestalten sich nicht besonders problematisch. Buchbesprechung von Hagen Seibt, Leiter des Arbeitskreises Hochbegabte im BDP e.V. |